Orangerie Exten
 
Exten gehört zu den ältesten Dörfern im Weserbergland. Hier, wo die schnelle Exter in das Urstromtal der Weser mündet, fanden Menschen schon in grauer Vorzeit einen idealen Siedlungsort. Erwähnt wird das Dorf erstmalig im Jahre 896.


Zu den Besonderheiten Extens gehört, dass der historische Gutspark über die Jahrhunderte erhalten blieb. Lange Zeit wurde er für den Obst- und Gemüseanbau genutzt, bis im 17. Jahrhundert die große Gartenkunst das kleine Dorf erreichte. Wir kennen einen kolorierten Plan aus dem Jahre 1726, der eine prachtvolle barocke Parkanlage darstellt.


Und dieser Barock-Park hat tatsächlich existiert. Noch heute befinden sich Reste der Anlage im Gelände des Gutsparks. Es muss ein selbstbewusster Gärtner gewesen sein, dem der Graf von Wartensleben seine barocken Parkpläne vorstellte. Denn man einigte sich: Der Park bekam seine barocken Strukturen, aber in den Parterres und Carrés wurde weiter Gemüse angebaut.


Die Grafen von Wartensleben waren damals eine sehr wohlhabende und bedeutende Familie, die weit über Exten hinaus wirkte. Eine besondere Freundschaft pflegte die schöne Isabella von Wartensleben zu dem Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe, der sie 1779 sogar in Exten besuchte und mit ihr durch den Park wandelte.


Um 1810 wurde der Park überplant im Stile eines englischen Landschaftsgartens. Ein Dietrich Giesbert von Wartenberg hatte das Rittergut gekauft und begann tüchtig zu bauen. Es war die Zeit der napoleonischen Besatzung. Im Dorf wurde gerätselt, woher der neue Bauherr sein vieles Geld hat. Von einem Seeräuberschatz war die Rede, wahrscheinlicher ist wohl eine erfolgreiche Kollaboration mit den Franzosen.


Doch dann begann ein Streit. Ein Ehren-händel, wie man damals sagte, zwischen dem Gutsherrn und dem französischen Präfekten von Rinteln. Im Morgennebel kam es im Park zu einem Pistolen-Duell, in dessen Verlauf der Franzose sein Leben ließ. Aber die Ehre war wieder hergestellt. Die des Toten und die des Täters. Nur die weltliche Gerichtsbarkeit sah das naturgemäß anders. Der Gutsherr wurde zur Fahndung ausgeschrieben und fortan von den Franzosen gesucht.


Mit einer gläsernen Kutsche, so weiß es der Volksmund, soll er nach Bremen geflohen sein. Dort verkaufte er das Gut für 33.000 Taler und verschwand per Schiff nach Amerika. Er ward nie mehr gesehen.


Zu seinen Hinterlassenschaften aber zählt ein großes Bauwerk im Park, dass damals wie heute eine besondere
Faszination ausübt: eine Orangerie im Stile des frühen Klassizismus. Ein Stück königliches Versailles mitten in einem kleinen Dorf an der Weser.


Leider verlor dieses prachtvolle Gebäude schon bald seinen Nutzen und war dem Verfall preisgegeben.


Erst ab 1989 wurde es durch eine private Initiative und mit öffentlicher Unterstützung originalgetreu instand gesetzt und bildet heute wieder das Herzstück des Orangerie-Gartens.










Mehr zu Exten und seiner Geschichte:


Rückblick auf 1113 Jahre Dorfgeschichte

www.heimatverein-exten.de

Wie duelliert man sich standesgemäß?

Zum Kuckucksduell

Johann Wolfgang von Goethe in Exten

www.heimatverein-exten.de



 
Der Park, durch den schon Goethe wandelte
Martin
Blöcher

Leben mit historischen Baumaterialien

Alte Ziegelei
Entruper Weg 273
32657 Lemgohttp://www.antike-baumaterialien.de
www.antike-baumaterialien.dehttp://www.antike-baumaterialien.de